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Der Alltag

Ich musste unweigerlich an die Explosion einer Bombe in einem Zeichentrickfilm oder Comic denken, als ich den Sonnenuntergang beobachtete. Diese Bomben, die immer rund dargestellt werden und dann in alle Richtungen bersten, dabei eine gelb-rote Feuersbrunst freigeben und die Bombenteile mit schwarzen Streifen durch die Luft schießen. Wolkenbänder bildeten die Streifen, aber das Licht war rötlich-violett durchsetzt. In der Mitte bildeten mehrere größere Wolken so etwas wie den Bombenkörper, der gerade auseinanderbricht. Zur Krönung dieser Inszenierung stand die Wolke gerade über einem Mittelgebirge und es sah so aus, als hätte sie auf festem Grund gelegen, was die Illusion verstärkte. Und obwohl ich eine starke und spontane Assoziation von Gewalt, Brutalität und Schrecken hatte, war der Anblick wunderschön. Diese Assoziationen schwammen als Echos durch meinen Kopf, doch wie in einem Rausch war ich regelrecht betört von dem Anblick. Mit einer Leichtigkeit spielt die Natur durch optische Eindrücke mit meinen Empfindungen. Und am einfachsten kann sie das im Winter wie es scheint, da mir solche wunderbaren Augenblicke fast immer nur im Winter auffallen.

Im SB Warenhaus meiner Wahl glaubte ich zwischen dem Gemüse und dem Müsliregal R. vor mir zu sehen. Der rotblonde Haaransatz, die obligatorische Schirmmütze, der typische Pullover und eine Blue Jeans, dazu weiße ausgetretene Turnschuhe. Ich sah ihn nur von hinten, aber für den Bruchteil einer Sekunde war ich mir sicher, es wäre R., der da vor mir den Wagen schiebt. Auch die Bewegungen passten. Einzig die Tatsache, dass R. vor fast einem Jahr bei einem Unfall ums Leben kam, passte nicht ins Bild. Zufällig oder nicht, ich musste den gleichen Weg wir R.s Doppelgänger gehen. Dieser spürte vielleicht meinen Blick in seinem Nacken oder drehte sich nur beiläufig um, jedenfalls wandte er sich in meine Richtung, sah mir in die Augen und ich erkannte einen anderen Geist aus meiner Vergangenheit in ihm wieder: D. Ich bin mir nicht sicher, ob er mich erkannt hat oder nicht erkennen wollte - er wandte seinen Blick zu auffällig ruckartig weiter, als dass es eine normale Bewegung hätte sein können. Es war also wirklich nicht R., wie hätte dies auch sein sollen? Erst jetzt erkannte ich zudem, dass D. keinen "Fußballerarsch" in der Hose hatte - schon daran hätte ich merken müssen, dass es nicht R. sein konnte.

Erst viel Regen und starker Wind, dann starker Wind mit viel Regen. Das geht jetzt seit Anfang der Woche so. Blöd.

Wenn man in diesen Strudel hinein gerät, spielt es keine Rolle, ob man es selber verschuldet hat oder nicht. Oder ob man überhaupt bedacht hat, dass jetzt jedes Kaufhaus überfüllt, jede Innenstadt einem Megastau gleicht und jeder Parkplatz dem Gesetz des Stärkeren unterliegt. Es ist ein jährlich wiederkehrender Wahnsinn, der sogenannte Weichnachtseinkauf Weihnachtseinkauf. Kinder werden von ihren Eltern angemault "Du sollst jetzt erst mal still sein", die Kinder fangen an zu heulen, Menschentrauben bilden sich um die Regal mit den in rot-silbernen Verpackungen verhüllten und mit goldenen Schleifchen verzierten Schokoladenprodukten, als gäbe es dort ein Wunder zu bestaunen und wenn man Tomaten kaufen möchte, weiß man vor lauter Überangebot nicht, welche man nehmen soll. Die sind zwar auch rot, aber weder aus Schokolade, noch lassen sie sich richtig gut an einen Tannenbaum hängen.

Es gibt Tage, da könnte man sich richtig angepisst fühlen. Eine CD Auslieferung verschiebt sich noch mal um ein paar Tage, eine ebay Ersteigerung ist plötzlich nicht mehr lieferbar - obwohl der Anbieter das Dingen immer noch anbietet und frech behauptet, 48 von 50 Artikeln seien lieferbar - und was manchmal so an nicht-Informationen mittels Mail reinkommt ist auch nicht gerade schön. Gut, dass mich das heute alles nicht schocken kann. Morgen wär's scheiße gewesen, aber heute ist es mir echt egal.

Eben fuhr mir ein Schreck durch die Glieder, als mir auffiel, dass ich zwar seit Monaten einen bestimmten Termin - den 27. November - im Kopf hatte, am entscheidenden Tag aber nicht eine Sekunde daran gedacht habe. Es hat auch niemand angerufen oder eine Erinnerungsmail geschrieben, aber eigentlich hätte ich an diesem Tag einen Freund besuchen wollen. Das ist so betrüblich.

Unfassbar wie man sich fühlt, wenn man mal drei Stunden nicht online gehen kann. Mal eben schauen, wann dieses Album erschienen ist, was bedeutet noch einmal jenes und woher stammt eigentlich diese Redensart? Aber in der Zwischenzeit habe ich Wäsche gewaschen, trockene Wäsche von der Leine geholt und sogar (teilweise) welche gebügelt. Morgen nochmal bitte, ich müsste mal wieder in den Getränkemarkt.

Heute war ich es nach zehn Tagen endlich leid, mit der defekten Glühbirne meines rechten Scheinwerfers (Abblendlicht) zu fahren. Nach einem kurzen Blick ins "Handbuch" war die zu öffnende Abdeckung sowie die zu tätigenden Schritte zum Ausbau klar, gesagt, getan, die fragliche Birne war recht bald in meiner Hand, damit ich mit diesem Referenzexemplar eine passende neue erwerben konnte. Schon beim Ausbau war mir klar, dass das Wiedereinsetzen nicht so trivial sein wird, da man nicht nur nix sehen konnte und fast im Blindflug arbeiten musste, sondern weil man auch nur für eine Hand Platz zum werkeln hatte - und auch für die war es eng. Aber was mich dann beim Einbau erwartete, war so deprimierend und niederschmetternd, dass ich kurz davor war die Sache abzubrechen und am Montag in eine Werkstatt zu fahren. Es musste letztlich nur noch ein kleiner blöder Drahtbügel zur Fixierung der Birne in der Fassung arretiert werden. Nur noch... Das hat mich alleine fast dreißig Minuten gekostet. Ich bin für solcherlei Geschicklichkeitsübungen einfach nicht geeignet. Demnächst haben meine Glühbirnen im Auto nicht mehr durchzubrennen. Fertig.

Der Blick von der Bxx in Richtung Norden hinterließ den Eindruck, als läge hinter dieser undurchdringlichen Nebelwand, die, mich eben noch in meinem Auto umschließend, sich von einer Sekunde auf die andere, fast übergangslos aufgelöst hat - als läge direkt dahinter das Ende der Welt. Da war nichts, auch nichts schemenhaftes, was man hinter dieser Nebelwand hätte erkennen können und ich frage mich auch noch heute, wie ich an diesem Freitagmorgen überhaupt mit dem Auto hindurch gefunden habe. Nach dem ersten überwältigenden Eindruck vom Rand der Welt setzte sich unweigerlich die Frage im Kopf fest, wie dieser Nebel so abrupt und scharfgrenzig enden kann. Eine Antwort auf diese Frage habe ich freilich weder gesucht noch gefunden und ich will sie eigentlich auch gar nicht hören. Aber es gibt nach wie vor Dinge in unserem hochtechnisierten und aufgeklärten Alltag, die uns mühelos und binnen Bruchteilen von Sekunden darlegen, wie winzig unbedeutend und ohnmächtig wir eigentlich sind. Und gerade Nebel - wissenschaftlich einfach erklärt - fesselt die Menschen immer und immer wieder.

Ich habe heute beschlossen, dass es besser sein kann, ein Buch einfach noch mal von vorne anzufangen, als nach drei Monaten Pause sowohl die Charaktere als auch die ganze Handlung nicht mehr zu verstehen oder durcheinander zu würfeln. Neues Spiel, neues Glück. Das hat sogar den Vorteil, recht schnell voran zu kommen, weil einem doch so einiges sehr bekannt vorkommt und das Verständnis viel leichter fällt.

 

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