Der Alltag
Die Dritte
Fragmenter av en Fortid
Im Buero
In der Hitze der Nacht
Musik
Projekte
SPAM
Studium
Tondokumente
Ueberhaupt und ausserdem
ZAP
zu Hause ist...
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
icon

 

Im Buero

Dass die gewählte Jacke viel zu dick für den plötzlich hereingebrochenen Frühling war, bemerkte ich erst, als ich die Haustür schon hinter mir zugezogen hatte. Ausziehen mochte ich sie für die Autofahrt dann auch nicht mehr, wenngleich ich ungerne in Jacken gezwängt am Lenkrad sitze. Die Heizung konnte für diese Fahrt endlich wieder ausbleiben.

Im Büro herrschte ab etwa halb elf ein fast subtropisches Klima mit 25 Grad und starker Sonneneinstrahlung. Die Luftfeuchtigkeit war untypisch hoch und es brachte überhaupt nichts, die Fenster "zum lüften" zu öffnen. Die durch die Fensterspalte hereinströmende Luft war von der Sonne und vor dem Gebäude stehend derart aufgeheizt, dass sie fast Raumtemperatur gehabt haben muss, als sie sich einschlich.

Ab halb zwölf war es nicht mehr auszuhalten, das Thermometer im Büro zeigte die Tageshöchsttemperatur von grandiosen 26,8 Grad an und selbst das zweite Thermometer, das zum Beweis der Undichtigkeit der Fenster direkt an deren Rahmen platziert ist, zeigte zugluftbedingt nur etwa einen Grad weniger an. Beide Temperaturfühler sind etwa einen Meter auseinander, doch im Winter waren gemessene Temperaturunterschiede von bis zu zwölf Grad keine Seltenheit. Die Luft war zum zerschneiden dick und zu allem Überfluss war ich gezwungen, vier Rechner gleichzeitig zu betreiben, was in einem Büro mit drei weiteren Kollegen und insgesamt sechs weiteren PCs nicht eben zur Luftverbesserung führte.

Nach dem Mittag waren mein Oberhemd und meine Haare bereits so verschwitzt, dass es mir schon wieder egal war. Eine Dusche wollte ich da schon gar nicht mehr, nur noch einen Liter acht Grad kühles Pils.

Gegen frühen Nachmittag, so ab fünfzehn Uhr, verzog sich die Sonne etwas hinter dunklen Wolken und durch die Fensterspalte drang kühlere Luft in den Umluftbackofen, in dem wir unserer geregelten Arbeit nachzugehen versuchen. Jedenfalls versuchen es manche. Ab sechzehn Uhr dreißig waren endlich erträglich fünfundzwanzig Grad erreicht, auch die Luftfeuchtigkeit war minimal gesunken. Ich garte noch etwa fünfundvierzig Minuten und fuhr dann nach Hause. Der erste Anfall von Sommer in den neuen Büros war überstanden - bei Außentemperaturen von zwanzig Grad kann ich durchaus von Sommer sprechen, so warm war es 2005 im Juni, Juli und August nur sehr selten.

Aber ich habe mir sagen lassen, dass in der letzten Woche, als ich gemütlich Überstunden abfeierte, jemand zum vermessen der Fenster über die Tische geklettert ist. Sollten am Ende noch vernünftige Jalousien in den Büros installiert werden?

Ich frage mich langsam ernsthaft, nach welchen Kriterien unsere Azubis ausgewählt werden. Nach Gesprächen mit verschiedenen Personen aus dem ersten Lehrjahr und einem längeren Mailverkehr mit einer weiteren Person, denke ich, dass es die Unverschämtheit ist, die sie an den Tag legen können, welche letztlich den Ausschlag gibt. Damit möchte ich die Azubis nicht persönlich bewerten, privat könnten die ganz anders sein. Ich kenne sie ja nicht wirklich. Der Punkt ist aber: ich will sie auch gar nicht erst kennen. Wer erstens in der Lage ist, so eine arrogante Verhaltensweise gegenüber seinen Kollegen an den Tag zu legen (noch dazu, wenn er im Unrecht ist, was mir - ich gebe es ungern zu - doch etwas Freude bereitet hat) und zweitens innerhalb kürzester Zeit dann wiederum seine Fahne nach dem Wind drehen kann, der ist überhaupt nicht von meinem Interesse. Ich finde das eher zum kotzen. Die sind sogar so aalglatt, dass sie auf stichelnde Bemerkungen diesbezüglich noch freundlich eingehen. Entweder schnallen sie es nicht (weil sie es nicht können oder nicht wollen) oder man kommt mit Ironie und Zynismus einfach nicht mehr weit. Dann, muss ich sagen, wäre ich am Arsch.

Ein tiefgreifender Wandel steht bevor. Noch nicht offiziell verkündet, denke ich, dass wir kommenden Dienstag eröffnet bekommen, dass ein Outsourcing unseres "Arbeitsbereichs" vor der Tür steht. Geahnt haben das eine knappe handvoll Mitarbeiter schon länger, aber man hat lange versucht, uns für dumm zu verkaufen. In der engstirnigen Naivität haben Vorgesetzte geglaubt, dass man uns durch Scheißhausparolen wie: "...da ist längst noch nichts entschieden...", bla bla bla hinters Licht führen kann. Aber schon längst wird während und nach der Arbeit über dieses Thema gesprochen. Nach Dienstag wissen wir alle mehr, vorher will ich mich nicht weiter aus dem Fenster lehnen. Es war aber bitter zu erfahren, wer den Todesstoß letztlich ermöglicht hat. Und da meint man jahrelang, man kennt seine Kollegen.

Der Blindflug hat engültig begonnen.

In dieser Woche sind auf der Arbeit alleine drei PCs, die ich neu installiert habe, mit dem gleichen Fehler ausgestiegen: sie haben aufgeblähte Kondensatoren auf den Boards. Diese PCs liefen teilweise bis vor vier Wochen noch tadellos und wurden dann durch leistungsstärkere Exemplare abgelöst. Sie sollten ihr Gnadenbrot in einer Abteilung bekommen, in denen Rechner mit 1 GHz CPU und 256 MB RAM völlig genügen - und jetzt das. Zumal man beim dritten ja auch langsam glaubt, man habe die Scheiße an den Fingern. Allerdings ist es ein bekanntes Problem und bis letztes Jahr hat uns der Hersteller die Boards eben aus diesem Grund (Herstellungsfehler bei den Kondensatoren) die Boards auf Kulanz getauscht. Dieses Jahr nicht mehr. Nun ist es an mir, ein paar andere Rechner als Ersatz aus dem Hut zu zaubern, juhu!

Endlich seit langem wieder eine positive Nachricht von der Arbeit. Der 2-Jahres-Vertrag einer Kollegin wird nun in einen unbefristeten Vertrag übergehen. Ein knappes halbes Jahr vor Auslauf des jetztigen Vertrages.

Kurz vorher hatte ich außerdem erfahren, dass ab August wieder jemand in unserem Bereich eine Ausbildung absolvieren wird. Das ist sehr verwunderlich, wo es doch immer geheißen hat, dass unsere Arbeitsplätze tendenziell eher wegfallen - natürlich hat das niemand offen gesagt, aber man kann ja zwischen den Zeilen lesen. Geschehen noch Zeichen und Wunder? Sollte man von der "Konsolidierung" (nein, wir durchlaufen doch keine Zentralisierung) ein Stück abgerückt sein? Oder was soll das? Verstehe einer diese Personalpolitik, vor etwa einem Jahr wurde mir noch fast wörtlich gesagt, dass man sich schon darum kümmern würde, dass ich einen Job bei der hm-hm bekomme (als ob ich das erstens überhaupt gewollt hätte und zweitens diese Hilfe nötig hätte; eine doppelte Ohrfeige).

Ich bin gestern trotz meines Urlaubs zur Arbeit gefahren. Ein Kollege hatte in der letzten Woche Geburtstag und deshalb gestern ein Frühstück ausgegeben, für das ich ihm meine Teilnahme zugesagt habe.
Um nicht in letzter Sekunde dort anzukommen bin ich zeitig losgefahren und war schon knapp zehn Minuten früher da, als der eigentliche Frühstückstermin angesetzt war. Die Begrüßung lautete quasi "Steck' mal deine Karte, ich hab' mal eine dienstliche Sache". Damit war ich dann bis zum Frühstück beschäftigt und auch danach ("Fahr mal bitte gleich noch nicht sofort wieder nach Hause") war ich noch neunzig Minuten beschäftigt. Wozu zum Henker nehme ich mir eigentlich Urlaub? Damit ich die Drecksarbeit für Projekte erledige, mit denen sich andere schmücken, die sie aber selber nicht in den Griff bekommen? Steht eigentlich auf meiner Stirn "Arsch vom Dienst?" Und alles bloß, weil der zweite Kollege, der die Sache hätte erledigen können zu dem Zeitpunkt außer Haus unterwegs war und die Sache soooo dringend war.
Sollte ich noch einmal in die Verlegenheit kommen, werde ich dann dem Kollegen (oder der Kollegin) das Frühstück leider absagen müssen, denn auf so etwas habe ich eigentlich echt keinen Bock.

Seit circa einer Woche werden unsere zukünftigen Büroräume kräftig umgebaut. Da gilt es einen Wanddurchbruch zu tätigen, eine neue Tür in selbigen einzusetzen, viele viele Netzanschlüsse (Strom) zu ziehen, noch mehr Netzwerkanschlüsse zu legen und eine neue Trennwand anzubringen. Es geht sogar so gut voran, dass wir vielleicht noch in diesem Jahr umziehen können; ich hatte eigentlich erst zu Anfang des kommenden Jahres darauf gehofft. Mir persönlich liegt besonders viel daran, da mein jetztiger Arbeitsplatz doch reichlich wenig Platz bietet. Wenigstens etwas, auf dass man sich in dem Laden mal wieder wirklich freuen kann.

Schön, wenn einem Kollegen so unverblümt und doch durch die Blume sagen, dass sie einen für faul halten. So geschehen vorgestern in einer unserer Hauptgeschäftsstellen, als ich mich dort nach getaner (körperlicher) Arbeit zu einem Kaffee in der Kantine niederließ. Ich hatte mich dort mit einem Kollegen telefonisch verabredet, der in dieser Geschäftsstelle tätig ist und mit dem ich zusammen in einem Ausbildungsjahr war. Schon bald kamen von der Kollegin die sich in seiner Begleitung befand, leichte Seitenhiebe, die ich zunächst nicht richtig zu deuten wusste. Meinte sie dies ernst oder waren es harmlose Sticheleien. Solche traue ich mir selbst meist nur Kollegen gegenüber zu, die ich gut kenne oder die ich zumindest meine gut einschätzen zu können. Mit dieser Kollegin hatte ich aber bisher wenig Kontakt und im Lauf der Zeit wurde deutlich, dass diese Sticheleien durchaus ernst gemeint waren. Meine erste Idee war, ihr stumpf vor den Kopf zu sagen, was ich von ihrer Unwissenheit, die sie in Äußerungen über mein vermeintliches Arbeitsfeld kundtat, halte. Ich besann mich eines besseren, goss lieber noch etwas Öl ins Feuer und provozierte noch ein paar Bemerkungen, wie "die Kollegen sagen immer, es sei wie ein verlängertes Wochenende, wenn sie ins TZ müssen". TZ steht für Technisches Zentrum und bildet den Hort vieler Stabsabteilungen - so auch meiner. Ich war mir mittlerweile 100%-ig sicher, dass sie es ernst und nicht spaßeshalber meinte und fragte mich, wie diese alte Dame so verbittert und unverschämt mir gegenüber auftreten konnte. Schließlich kennen wir uns kaum. Und erst recht hat sie offensichtlich keine Ahnung, wie meine Arbeitsaufgaben aussehen, gönnte sich aber dennoch eine deutliche Meinung. Ich ignorierte fortan jede ihrer Bemerkungen, so dass sie mich letztlich wohl auch noch für arrogant hält. Das will ich jedenfalls hoffen, denn so komme ich sicher nicht noch einmal in die Verlegenheit, mich ihr gegenüber mit meinen Äußerungen zurück zu halten, denn anrufen wird sie mich wohl eher nicht, falls sie mal ein Problem haben sollte, dessen Lösung in meinen Aufgabenbereich fällt.
Wirklich unglaublich diese Frau.

Kaum ist das Studium vorbei, schiebe ich schon wieder Überstunden. Eigentlich hatte ich mir besseres vorgenommen. Aber es gibt so viel zu tun und ich mag es nur so ungern liegen lassen.

Wir sollen seit Freitag zusätzlich zu unserer übrigen Arbeitszeit noch jeder sein Quentchen für ein bestimmtes Projekt beisteuern. In Zahlen ausgedrückt heißt dies, fünfundzwanzig Prozent meiner Arbeitszeit soll ich diesem Projekt widmen. Gleichzeitig soll die eigentliche Arbeit natürlich wie gewohnt weiter laufen und als Sahnehäubchen sollen selbstverständlich auch noch die Überstunden abgebaut werden. Ich frage mich, was in den Köpfen der Leute vorgeht, die sich solche Sachen ausdenken. Wahrscheinlich gar nichts.

 

twoday.net AGB

xml version of this page

xml version of this topic

powered by Antville powered by Helma